Warum eigentlich immer „Non-Profit“-Projekte?

Als ich mit Sandra Hofhues im September die Service Learning Methode bei der diesjährigen GMW-Tagung vorgestellt habe, kam bei den Nachfragen die Diskussion auf, warum man Service Learning denn nur mit gemeinnützigen Projektpartnern mache und mit welcher (pädagogischen?) Begründung. Der Punkt hat mich auch in meinen Diss-Vorbereitungen in letzter Zeit immer wieder eingeholt, weshalb ich ihm jetzt mal einen Eintrag widme.

Neben dem moralischen Argument, dass mit den Studierenden in solchen Projekten „Geld gemacht“ werde, was nicht notwendigerweise so sein muss, gibt es in meinen Augen einige pragmatische Argumente, die Zusammenarbeiten zwischen Uni und Non-Profit /Public -Sektor aus Lehrperspektive einfacher machen als mit der Wirtschaft. Eine Erfahrung die ich immer wieder mache ist, dass – neben der Motivation Mitstreiter und Nachwuchs für die eigenen Zwecke zu gewinnen – der Bildungsgedanke bei Non-Profits oft stark ausgeprägt ist, was dazu führt, dass meine NPO-Partner zu „Co-Dozenten“ werden, die ein Sendungsbewusstsein in Bezug auf die Themen der Organisation zeigen, sei das z.B. Aidsarbeit, Altenhilfe oder Medienbildung . Bei Projekten mit Unternehmen wäre meine Intuition, dass vor einem Engagement in Sachen (Aus-)bildung mehr gerechnet wird (Was kostet mich der Student?) und stärker selektiert wird (Welchen Studenten nehmen wir?). Die Teilnehmerauswahl wird, wenn es um ein individuelles Engagement in* der Organisation selber geht, wahrscheinlich nicht so sehr dem Lehrenden anvertraut, wie das bei unseren Non-Profit-Service Learning Projekten der Fall ist. Hier kann ich mangels Erfahrungen allerdings nur vermuten – es wenden sich selten Unternehmen an uns.

Was aber wenn ein Unternehmen offen für die Zusammenarbeit ist? Wenn es einen Studierenden im Service Learning aufnehmen und betreuen will und diesen nicht für das bloße „Alltagsgeschäft“ einsetzt? Ich hatte den Fall bisher einmal. Prinzipiell hat das schon funktioniert, auch wenn es in dem speziellen Fall so war, dass das Unternehmen (eine Agentur) dem Projekt bzw. dem Studierenden keine allzu hohe Priorität einräumte, was mit dazu führte, dass sich der Projektabschluss um ein ganzes Semester verzögerte. Muss ja aber nicht immer so sein. Für Non-Profit Einrichtungen haben die „Service Learner“ auch nicht zwingend die allerhöchste Priorität, trotzdem gibt es hier nach meinen Empfinden ein starkes (stärkeres?) Verantwortungsgefühl für die Betreuung und damit auch die Bildung der Beteiligten. Das wiederum entlastet mich als Dozenten, weil ich nicht das Gefühl bekomme, dass ich alle Studenten, die sich verteilt bei vielen Partnern engagieren zu jeder Zeit im Auge haben muss.

Ich glaube nicht, dass man mehr lernt, wenn der Partner „Non-Profit“ ist. Auch nicht in Bezug auf „bürgerschaftliche Kompetenzen“ oder ähnlich abstrakte überfachliche Lernziele. Engagement, Diversität und Multikulturalität findet man in Unternehmen wie in sozialen Einrichtungen. Trotzdem verdienen die oft sehr unterschiedlichen Ziele der Partner einer „offenen Hochschule“ mehr Aufmerksamkeit in Forschung und Lehre, auch weil der Gedanke nahe liegt, dass sie starken Einfluss auf die Lernumgebung haben.

* im Gegensatz zu Auftragsarbeiten, wo Projektpartner die Studierenden nur am Anfang und am Ende des Semesters kurz sehen.

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