Soziale Medien für soziales Lernen?

Seit letzten Sommer arbeiten wir in der kompetenzorientierten Lehre verstärkt und gezielt mit größeren Non-Profit Organisationen in der Stadt Augsburg (Malteser, Caritas, Diakonisches Werk, etc.) zusammen und bemühen uns um möglichst viele sinnvolle und langfristige Projekte („Service Learning„). Damit hat sich der Fokus unserer Arbeit rückblickend etwas verschoben.

Noch vor drei, vier Jahren standen die studentischen Initiativen des Begleitstudiums und das E-Learning 2.0 ganz im Mittelpunkt der Arbeit. Das Drittmittel-Projekt „Bildung durch Verantwortung“, das seit 2011 durch zwei große Stiftungen gefördert wurde, brachte eine stärkere Öffnung der Lehre – nicht nur zu Gruppen auf dem Campus, sondern besonders zu Organisationen in der Stadt – mit sich, was jetzt neue Handlungsfelder für die hochschul- bzw. mediendidaktische Reflexion bietet, da die Projekte nach meinem Empfinden anderen Logiken folgen, als das Engagement in rein studentischen Initiativen.

In Bezug auf das Begleitstudium und die studentischen Initiativen haben sich Organisation und Assessment mittlerweile routiniert: Die Studenten, die beteiligten Lehrstühle, und auch die Projektgruppen nutzen die Online-Lernumgebung des Begleitstudiums täglich als selbstverständlichen Teil des Programms. Dort werden Zielvereinbarungen erstellt und bestätigt, schriftliche Reflexionen verfasst, korrigiert und Projektergebnisse eingestellt. Das informelle Lernen in den Projekten wird schrittweise über einen Assessment-Prozess an das formale Curriculum herangeführt. Nachhaltigkeit des Lernens in den Gruppen sichert die explizite Einbeziehung von Wissensmanagement in die Projekte.

Unsere Kurse mit außeruniversitären Partnern fußen jetzt auf der von uns importierten „Service Learning-Didaktik„, die eine Nähe zu dem hat, was wir im Begleitstudium schon seit Jahren tun (Zielvereinbarungen, Projektmethode, Kompetenz-Assessment), auch weil im Moment wie im Begleitstudium vorwiegend medienbezogene Service Learning-Projekte entstehen, in denen die Studierenden z.B. aktive Medienarbeit mit Senioren, Schülern und anderem Klientel umsetzen. Was virtuelle Kollaboration angeht ist es so, dass die Kommunikationswege mit den Projektpartnern häufig telefonisch und face-2-face laufen, weil es den gängigen Organisationskulturen erfahrungsgemäß oft näher kommt als Mail und Videochat. Unsererseits wurde aber auch noch kein strukturierter Versuch unternommen, die Projektpartner stärker in eine elektronische Zusammenarbeit und in ein Wissensmanagement einzubinden. Die besondere Herausforderung bei Service Learning ist es, dass Lehrveranstaltungen in der Regel bloß ein-semestrig sind und entsprechend kurzfristig angelegte Projekte entstehen. Es kommt dadurch häufig vor, dass sich eine Gruppe von einem zu anderen Semester personell runderneuert, ohne dass das Wissen zur nächsten Generation weitergegeben wird. Es liegt im Moment beim Projektpartner oder beim Dozenten, das Know-How weiterzugeben und weniger – wie beim Begleitstudium über den sozialen Baustein möglich – beim Studenten. Hier sehe ich eine Chance darin, Modelle des Begleitstudiums auch auf diesen Kontext anzuwenden, um nachhaltige Projekte und die Weitergabe von Wissen zu sichern.

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