„Digital Divide“ in Deutschland: Wächst der digitale Graben oder schließt er sich?

Das Internet ist aus deutschen Haushalten und Firmen nicht mehr wegzudenken. Sei es nun, dass man sich täglich per Email mit Freunden und Kollegen unterhält, bei Suchmaschinen Informationen „googelt“, oder selbst ein persönliches Weblog verfasst: die Präsenz des Internets betrifft mittlerweile alle Bereiche des sozialen Lebens.
Mit der immer stärker werdenden Verbreitung rückt nun besonders eine Frage in den Mittelpunkt: Sind alle Deutschen bei dieser Entwicklung mit von der Partie? Oder gibt es auch Menschen, die auf der Strecke bleiben, weil sie keinen Computer oder Internetzugang haben. Gerade für diese Personen wird es in Zukunft schwerer werden sich am sozialen Leben angemessen zu beteiligen. Denn Informationsflüsse verlagern sich zunehmend ins WWW: Stellenangebote werden immer öfter ausschließlich online ausgeschrieben, Zeitung bringen einige Meldungen aus Platzmangel nur noch auf ihrer Internetseite, oder auch die Partnersuche läuft nun häufig über virtuelle Kanäle.

Die Forschung zum „Digital Divide“ beschäftigt sich mit genau dieser Thematik. Sie geht davon aus, dass in Deutschland eine Kluft zwischen „Onlinern“ und „Offlinern“ besteht, die sich von selbst nicht schließen wird. Bestimmte Gruppen der Gesellschaft sind vom Phänomen besonders betroffen. Dazu gehören nach der „Digital-Divide“-These vor allem ältere Menschen, Frauen und Personen, die einen niedrigen Bildungsstand haben oder auf dem Land leben. Wirft man einen flüchtigen Blick auf die Zahlen wird einem die Dringlichkeit der Lage nicht so recht klar. Die Zahl der Internetnutzer lag 2001 noch bei 37%. Mittlerweile sind 60% aller Deutschen im Netz, Tendenz steigend. Die Zahl der Nicht-Nutzer nimmt entsprechend ab und es sieht fast so aus, als würde es bis 2020 keine Offliner mehr geben. Schaut man allerdings genauer hin, merkt man, dass die Nutzungs-Kurve nicht mehr so stark steigt, wie noch vor ein paar Jahren. Es zeichnet sich allmählich ein Deckeneffekt ab.

Wer sind nun aber die Personen, die anscheinend hartnäckig auf das Internet verzichten wollen? Und vor allem: warum wollen sie dies? Zu erst einmal ist zu sagen, dass viele Offliner keineswegs aus Überzeugung auf das Netz verzichten. Vielen ist es schlichtweg zu teuer. So sind von den Haushalten mit unter 1000€ monatlichem Einkommen nur in etwa 30% online. Auch die Zuwächse sind bei diesen Haushalten äußerst schwach. Von den jenigen, die sich das Internet leisten könnten, nennen viele als Gründe Bedenken über Datenschutz, oder die Angst, dass reale Kontakte dadurch vernachlässigt werden. Vor allem bei vielen älteren Leuten ist auch das Gefühl vorhanden, mit der Bedienung des PCs überfordert zu sein. Die Vorbehalte gegen das Internet sind nicht von der Hand zu weisen. Wie steht es aber mit der Behauptung, dass spezielle soziale Gruppen häufiger offline sind als andere. Einerseits gibt es die These, dass die Landbevölkerung dem Internet besonders fern ist. Diese lässt sich jedoch nach aktuellen Erkenntnissen kaum halten: Nach der (N)onliner-Studie 2007 nimmt die Internetnutzung bei allen Ortsgrößen zu. Ländliche Regionen können sogar größere Zuwächse verzeichnen als die Städte. Der „Divide“ zwischen Stadt- und Landbevölkerung nimmt somit ab. Die Variable „Region“ spielt eine immer geringere Rolle bei Betrachtung der Verbreitung des Internets in Deutschland.

Andererseits gibt es durchaus Argumente die für eine digitale Spaltung unseres Landes sprechen: Betrachtet man verschiedene soziodemografische Merkmale, lassen sich durchaus Unterschiede feststellen. Menschen über 60 Jahre sind auch 2007 noch zu 75% offline gewesen und es ein nur sehr geringer Abfall dieses Wertes im Laufe der Zeit an. Dennoch werden die „Alters-Offliner“ in den nächsten Jahrzehnten im Zuge des Generationenwandels deutlich abnehmen, weshalb diese Gruppe als weniger kritisch gesehen werden kann. Alarmierender sind dagegen die Zahlen der (N)onliner Studie, die belegen, dass Personen mit einem niedrigen Bildungsstand besonders häufig offline sind (ca. 30%) . Bei Personen mit Abitur oder abgeschlos-senem Studium liegt dieser Wert bei nur ungefähr drei Prozentpunkten.
In Bezug auf den Divide zwischen Männern und Frauen ist zu bemerken, dass der Unterschied zwischen den Geschlechtern langsam aber stetig geringer wird. 2007 liegen nur noch 12% zwischen den männlichen und weiblichen Offlinern (2002: ca. 20%). Der Digital Divide trifft auch in so fern zu, dass wie oben bereits erwähnt, vor allem ärmere Haushalte dem Internet fernbleiben – sei dies nun wegen der Kosten oder anderen Gründen.
Um die digitale Spaltung, die in gewisser Weise sichlich erkennbar ist, zu überwinden gibt es zahlreiche Initiativen aus Politik und Wirtschaft. Die Initiative D21 , Partner der Bundesregierung, bemüht sich beispielsweise, besonders Randgruppen ins Internet zu bekommen. „Schulen ans Netz“ versucht, wie der Name schon sagt, Kinder bereits in der Schule Medien- und Internetkompetenzen zu vermitteln. Dabei wird zum einen für die technische Ausstattung gesorgt, aber zum anderen auch für Fortbildungen der Lehrer, sodass sie wissen wie sie das Internet optimal in ihren Unterricht einbinden können. Die vielen Initiativen sollen dem Internet in Deutschland durch gezielte Förderung zu einer gleichmäßigen Ausbreitung verhelfen, bei der kein Teil der Bevölkerung zurückbleibt.

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2 Gedanken zu “„Digital Divide“ in Deutschland: Wächst der digitale Graben oder schließt er sich?

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